Verband der Übersetzer kritisiert Entwurf zum Urheberrecht
publiziert: Montag, 22. Jun 2020 / 15:57 Uhr
Das Gesetz soll besser für die Übersetzer ausfallen.
Das Gesetz soll besser für die Übersetzer ausfallen.

Die neue EU-Urheberrechtsrichtlinie hat schon in der Vergangenheit für viel Diskussionsstoff gesorgt. Vor allem der Verband der Übersetzer hat die deutsche Umsetzung heftig kritisiert.

Denn vor dem Hintergrund der stagnierenden und in einigen Bereichen sogar rückläufigen Honorare für Übersetzer, ist der Gesetzesentwurf vom Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz nicht weitgehend genug. Der Verband der Übersetzer stört sich vor allem daran, dass selbst in Vollzeit arbeitende Übersetzer schon heute von Altersarmut bedroht sind. Man kann davon ausgehen, dass das in Zukunft noch schlimmer wird. Auch viele Übersetzungsbüros hatten sich vom BMJV erhofft, dass dieses Problem gelöst wird. Im Folgenden wollen wir zeigen, welche Probleme Übersetzer im Berufsalltag haben und warum die deutsche Umsetzung der neuen EU-Urheberrechtsrichtlinie diese nicht oder nur unzureichend lösen wird.

Das Problem mit der niedrigen Vergütung

Leider gibt es schon seit einigen Jahren ein erhebliches Problem bei der Vergütung von Übersetzern. Zwar hat der Bundesgerichtshof im Jahr 2009 in mehreren Urteilen bestätigt, dass Übersetzer das Recht zur Vertragsanpassung auf angemessene Vergütung haben. Allerdings ist das im Berufsalltag eines Übersetzers nicht praktikabel. Denn der Klageweg kostet erst einmal viel Geld und insbesondere bei kleinen Summen lohnt es sich deshalb nicht. Ausserdem befürchtet der Verband der Übersetzer, dass eine Klage dazu führen könnte, dass der Kläger in Zukunft deutlich weniger Aufträge erhält, da er von den Verlagen einfach nicht mehr ausgewählt wird. Der VdÜ sieht ein allgemeines Verhandlungsgleichgewicht. Dieses führt dazu, dass viele Übersetzer auf die ihnen zustehenden Rechte verzichten, weil sie sonst kaum oder gar keine Aufträge mehr bekommen würden.

Die rechtlichen Möglichkeiten für eine angemessene Vergütung

Grundsätzlich gibt es in Deutschland die Möglichkeit, eine angemessene Vergütung notfalls auf dem Rechtsweg einzufordern. Allerdings fehlt es an konkreten Definitionen und auch die Durchsetzung müsste aus Sicht des deutschen VdÜ erleichtert werden. Ein grosses Problem ist die Tatsache, dass in vielen Fällen gar nicht klar ist, was überhaupt eine angemessene Vergütung ist. Zwar existieren einige Grundsatzurteile vom BGH, die für ein wenig Klarheit sorgen. Doch diese lassen sich nicht pauschal anwenden. Ausserdem gibt sehr viele Situationen, in denen selbst ein Experte nur schwer eine angemessene Vergütung festlegen kann. Hier ist also der Gesetzgeber gefordert, um endlich für einheitliche Standards zu sorgen.

Leider gibt es von Seiten der Politik keine Ambitionen, die aktuellen Entwürfe noch weiter zu ergänzen. Man geht davon aus, dass der aktuelle Stand der Dinge genügt, um die neue EU-Urheberrechtsrichtlinie umzusetzen. Der VdÜ vertritt die Position, dass das nicht der Fall ist. Zwar werden alle Forderungen der europäischen Richtlinie de jure umgesetzt. De facto gibt es aber in vielen Bereichen keine Möglichkeit für die Übersetzer, die ihnen zustehenden Rechte tatsächlich einzufordern.

Ein grosses Problem ist das Opt-Out für die Verlegerbeteiligung. Zwar ist es per Gesetz möglich, die Verlegerbeteiligung in Verträgen auszuschliessen. Der VdÜ geht allerdings davon aus, dass dies in der Praxis nicht passieren wird. Denn die Macht der Verlage kann dazu führen, dass Übersetzer gar nicht in der Position sind, solche Vertragsbestandteile zu bestimmen.

Für solche Fälle hat der VdÜ einen Lösungsvorschlag unterbreitet. Allerdings kann man davon ausgehen, dass sich dieser nicht im endgültigen Gesetz wiederfinden wird. Trotzdem könnte das Engagement des VdÜ dazu führen, dass einzelne Aspekte geändert werden, damit das fertige Gesetz zumindest ein wenig besser für die Übersetzer ausfäll. Doch wie so oft ist es ein Machtkampf, bei dem fast immer die stärkere Lobby gewinnt.

(ba/pd)

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