Ausbildung zum Kindercoach: Ein Wegweiser für eine professionelle Begleitung

Eine Ausbildung zum Kindercoach bietet eine Möglichkeit, sich in einem relevanten und wachsenden Berufsfeld zu qualifizieren. (Unsplash License) / MI PHAM
Die Welt von Kindern und Jugendlichen ist komplex, von Lernherausforderungen über emotionale Unsicherheiten bis hin zu sozialem Druck. Die professionelle Begleitung in diesen Lebensphasen gewinnt an Bedeutung. Eine Ausbildung zum Kindercoach stellt eine Möglichkeit dar, junge Menschen und ihre Bezugspersonen gezielt zu unterstützen. Dieser Artikel beleuchtet, was eine solche Ausbildung auszeichnet, welche Inhalte sie vermittelt und welche Ziele sie verfolgt.

Was eine Ausbildung zum Kindercoach umfasst


Eine Ausbildung zum Kindercoach ist eine sorgfältige Mischung aus theoretischem Wissen und praktischer Anwendung. Ziel ist es, angehende Coaches mit dem notwendigen Handwerkszeug auszustatten, um eine verlässliche Begleitung für Kinder, Jugendliche und deren Familien zu sein. Der Weg führt dabei über einen umfassenden Einblick in entwicklungspsychologische Grundlagen. Diese bieten die Basis, um altersgerechte Unterstützung anzubieten. Ergänzt wird dies durch praktische Interventionstechniken, die nicht nur gelernt, sondern auch selbst erlebt werden. Das Konzept ist praxisnah und handlungsorientiert. Die Teilnehmenden sollen jede Technik hautnah erfahren, um deren Wirkung zu verstehen und sie authentisch in ihre spätere Arbeit zu integrieren.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das vernetzte Lernen. Der Austausch mit anderen Kursteilnehmern und Dozenten bildet eine Plattform, um das eigene Bewusstsein und die Identität als Coach zu schärfen und zu erweitern. Begleitet wird der Lernprozess durch individuelle Betreuung und Raum für persönliche Fragen. So sollen die angehenden Coaches sicher und kompetent in ihre Tätigkeit starten können.

Aufbau der Ausbildung und spezifische Module


Der Weg zur Qualifikation als Kinder- und Jugendcoach ist in einem modularen Programm strukturiert. Jedes Modul behandelt spezifische Themenschwerpunkte, die aufeinander aufbauen und ein breites Spektrum an Fähigkeiten vermitteln.

Das Auftaktmodul, oft als «Lern- & Prüfungscoaching» betitelt, befasst sich mit den entwicklungspsychologischen Grundlagen. Hier lernen die Teilnehmenden, wie sie junge Menschen in ihrem Entwicklungsprozess begleiten, sie optimal auf Prüfungen vorbereiten und ihre Selbstregulation fördern können. Auch ein Blick auf das Thema Legasthenie und dessen praxisnahe Anwendung findet hier Beachtung.

Im zweiten Modul, das sich dem «Konzentrationstraining» widmet, geht es darum, die Phasen des Aufmerksamkeitstrainings zu verstehen und junge Menschen in ihrer Konzentrationsfähigkeit zu stärken. Es werden auch die Hintergründe von ADHS beleuchtet und Ansätze vermittelt, um betroffene Kinder zu unterstützen.

Das dritte Modul, «Stress, Selbstvertrauen und Entspannung», behandelt den Umgang mit Stress und die Anwendung passender Interventionstechniken. Es wird vermittelt, wie das Fundament von Selbstvertrauen aufgebaut und stabilisiert werden kann. Auch Kurz- und Langzeit-Entspannungstechniken werden kind- und jugendgerecht vermittelt.

Das vierte Modul, «Metaphern- & Talentcoaching», fokussiert auf die Entfaltung junger Talente. Die Teilnehmenden lernen die Psychologie hinter Talentfaktoren kennen und erkunden, wie diese im Einklang mit der Persönlichkeit ausgelebt werden können. Die Arbeit mit Metaphern wird hier praxisnah vermittelt.

Konkrete Lernziele der Ausbildung

Die Ausbildung zum Diplom Kinder- und Jugendcoach zielt darauf ab, die Teilnehmenden in verschiedenen Bereichen zu qualifizieren. Die relevanten Lernziele lassen sich in folgende Bereiche unterteilen:

Allgemeine Lernziele:

  • Standortbestimmung: Den eigenen Ist-Stand zum Thema definieren.
  • Fachmodelle: Relevante Fachmodelle in der Rolle als Kinder- und Jugendcoach beschreiben.
  • Interventionen: Mit dem erworbenen Verständnis wirksame Interventionen realisieren.
  • Kompetenzentwicklung: Fortschritte in den überfachlichen Kompetenzen der Rolle dokumentieren, um diese im Alltag zu repräsentieren.

Spezifische Lernziele nach Modulen

Lern- und Prüfungscoaching:  

  • Analyse des eigenen Handelns: Bisheriges Handeln mit den entwicklungsspezifischen Handlungen des Kinder- und Jugendcoachs vergleichen.
  • Prüfungstraining: Prüfungstraining als Werkzeug identifizieren, um Prüfungen für Kundinnen und Kunden erfolgreich zu gestalten.
  • Wissensvertiefung: Das Wissen über Lerneinflüsse in der Gruppe präzisieren, um Kundinnen und Kunden kompetent zu unterstützen.

Regulationstechniken:  

  • Konzentrationslevel: Einflussfaktoren auf das individuelle Konzentrationslevel ermitteln.
  • Märchen und Zeichnen: Die Auswirkung von Märchen auf Konstruktionsprozesse verstehen und die leistungsfördernde Nutzung von Zeichnen bewusst machen.

Stress, Selbstvertrauen, Entspannung:  

  • Kompetenzerweiterung: Durch Reflexion der Erfahrungen als Kinder- und Jugendcoach eine höhere überfachliche Kompetenz beweisen, um Veränderungsprozesse bei Coachees auszulösen.
  • Fantasiereisen: Den Austausch mit Kolleginnen und Kollegen nutzen, um das Anleiten von Fantasiereisen zu fördern.
  • Rituale: Passendes Verhalten in der alltäglichen Anwendung von Ritualen nutzen, um positive Veränderungen zu bewirken.

Metaphern- und Talentcoaching:  

  • Rollenmerkmale: Rollentypische Merkmale des Kinder- und Jugendcoachs im Alltag ermitteln, um eigene Stärken und Schwächen zu erkennen.
  • Sprachanwendung: Strategien der konstruktivistischen Sprachanwendung zur Kompetenzverbesserung bestimmen.
  • Aktivitäten: Kundenspezifische Aktivitäten als Kinder- und Jugendcoach identifizieren, um Herausforderungen im Alltag zu meistern.

Anforderungen für das Diplom


Um das Diplom als Kinder- und Jugendcoach zu erhalten, müssen verschiedene Anforderungen erfüllt werden. Diese dienen der Sicherstellung einer umfassenden Qualifizierung.

Die Kriterien umfassen:

  • Aktive Teilnahme: Eine aktive Teilnahme an den Präsenzveranstaltungen von mindestens 80 %.
  • Lernprozessreflexion: Eine schriftliche Reflexion des persönlichen Lernprozesses, die von der Dozentin oder dem Dozenten attestiert wird.
  • Thematische Arbeit: Die Erarbeitung einer thematischen Arbeit. Diese kann später auch für eine berufliche Prüfung wie zum Beispiel zur/zum Eidgenössisch diplomierten Betrieblichen Mentorin/Mentor oder zur/zum Eidgenössisch diplomierten Psychosozialen Beraterin/Berater verwendet werden.
  • Praxisnachweis: Der Nachweis von mindestens zehn Einzelsitzungen im Kontext des Kinder- und Jugendcoachings.
  • Abschlusskolloquium: Die Präsentation und Verteidigung der Arbeit beim Abschlusskolloquium.

Diese Anforderungen sind darauf ausgelegt, eine solide theoretische Basis mit praktischer Erfahrung zu verbinden. Sie stellen sicher, dass die Absolventinnen und Absolventen nicht nur über Wissen verfügen, sondern dieses auch anwenden können. Der Fokus auf Praxisnähe und Reflexion bereitet die künftigen Coaches auf die realen Herausforderungen ihrer Tätigkeit vor.

Perspektiven nach dem Abschluss


Nach dem Erwerb des Diplom Kinder & Jugend Coach eröffnen sich verschiedene Möglichkeiten zur weiteren Spezialisierung und beruflichen Entwicklung. Die absolvierte Ausbildung dient als Grundlage für weiterführende Qualifikationen. Der Bildungsweg kann wie folgt aussehen:
 

Ihr Bildungsweg

Dauer

Schritt 1: Fachspezialisierung abschliessen  
Diplom Kinder & Jugend Coach 9 Monate
Schritt 2: Prüfungsvorbereitung & Supervisionen wählen  
Prüfungsvorbereitung Eidg. Fachausweis Betriebliche:r Mentor:in 9 Monate bis 2-3 Jahre
Prüfungsvorbereitung Eidg. Diplom Supervisor:in/Coach
Prüfungsvorbereitung Eidg. Diplom Psychosoziale:r Berater:in
Klientenbezogene Supervision / Lehrsupervision
Beratungsbezogene Supervision / Reflexionssitzungen
Schritt 3: Eidg. Fachausweis oder Eidg. Diplom abschliessen  
Eidg. Fachausweis Betriebliche:r Mentor:in  
Eidg. Diplom Supervisor:in/Coach  
Eidg. Diplom Psychosoziale:r Berater:in  

Diese Struktur verdeutlicht, wie die Ausbildung als Basis für eine weiterführende Professionalisierung im Bereich Coaching und Beratung dienen kann. Sie ermöglicht eine schrittweise Vertiefung des Fachwissens und bereitet auf eidgenössische Abschlüsse vor.

Fundierte Ausbildung

Eine Ausbildung zum Kindercoach bietet eine Möglichkeit, sich in einem relevanten und wachsenden Berufsfeld zu qualifizieren. Durch den modularen Aufbau und die Kombination aus Theorie und Praxis werden die Teilnehmenden auf die vielfältigen Aufgaben vorbereitet. Die Anforderungen an das Diplom sichern ein hohes Mass an Professionalität und Kompetenz. Wer sich für eine Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und ihren Familien interessiert und eine fundierte Ausbildung sucht, findet in einem solchen Programm einen strukturierten und zielführenden Weg. Es geht nicht nur darum, Wissen zu erwerben, sondern auch eine Rolle zu finden, die den jungen Menschen eine Stütze sein kann.
(fest/pd)
publiziert: Montag, 25. August 2025 / 16:51 Uhr , aktualisiert: Dienstag, 26. August 2025 / 20:43 Uhr
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